Feldversuchsergebnisse Winterweizen 2016

Große Weizenernte im Jahr 2016

„Die Brotgetreideernte (Weizen, Roggen, Wintermenggetreide) wird sich voraussichtlich auf 2,11 Mio. Tonnen belaufen und damit 10% über Vorjahresniveau und mit 19% deutlich über dem langjährigen Durchschnitt notieren. Davon dürften, den Prognosen zufolge, 1,90 Mio. Tonnen an Weizen (+10%) und 189.300 Tonnen an Roggen (+11% zu 2015) geerntet werden. Die Weichweizenernte (inkl. Dinkel) wird aus derzeitiger Sicht 1,78 Mio. Tonnen erbringen (+9% zu 2015). (Auszug aus dem aktuellen Schnellbericht Feldfruchternte 2016 der Statistik Austria)

Das Weizenjahr 2016 war also mengenmäßig ein sehr Gutes. Im Feuchtgebiet sind regional zu hohe Niederschläge gefallen, weshalb oftmals ein übermäßiger Infektionsdruck und fallweise Sauerstoffarmut im Boden Ertrag und Qualität begrenzt haben. Schlechte Hektoliter-Gewichte charakterisieren 2016 die Ernte vor allem im Feuchtgebiet. Ein zweijähriger Vergleich ist daher etwas ausgewogener und gibt mehr Sicherheit bei der Analyse.
Im Folgenden geben wir Ihnen Informationen über die Feldversuchsergebnisse im Detail:

Die Ergebnisse 2016 im Durchschnitt

Abbildung 1: Der N-Pilot hat im zweijährigen Durchschnitt die Schossergabe mit 70 kg und die Ährengabe mit 45 kgN/ha bemessen und dadurch für 8 bis 9 Tonnen Mahlweizen eine ausgeglichene, effiziente Bestandesführung sichergestellt.

Gesamtergebnisse 2016

Abbildung 2: Der Durchschnitt der Weizenversuche 2016 zeigt ein außerordentlich hohes Ertragsniveau. Der Versuch aus Kärnten wurde wegen Hagelschadens nicht mit einbezogen. Die Rentabilität (düngerkostenfreier Mehrertrag) zeigt, dass jeder Dünger-Euro 2,6-fach zurückkam – fairerweise sei erwähnt, dass mit diesem Mehrertrag auch etwas mehr Pflanzenschutz mitfinanziert werden muss.

Ergebnisse im Detail

Abbildung 3: Bereits zum dritten Mal in Folge konnte St. Pölten den Höchstertrag mit deutlich über 10 Tonnen/ha einfahren. Johann Hieger wirtschaftet seit vielen Jahren viehhaltend. Der N-Pilot hat das hohe Nachliefervermögen des Standortes erkannt und die zweite und dritte Gabe spürbar reduziert. 11 Tonnen Futterweizen mit 14 % Protein und nur 155 kgN/ha sind beachtlich. Die Standortgüte zeigt sich mit 89 dt Ertrag auch in der einjährig ungedüngten Kontrolle! Gratulation!
Abbildung 4: Gerhard Stieglmayr – ebenfalls viehhaltend – hat mit ausgefeiltem Pflanzenschutz und einer zusätzlichen Schwefeldüngung zum Schossen außerordentlich hohe Futterweizenerträge eingefahren. Mit +30 kgN/ha liegt die N-Bilanz noch auf einem aus Wassergüte-Sicht akzeptablem Niveau. Der außerordentlich hohe Mehrertrag im Vergleich zur Kontrolle zeigt die mäßige Bodengüte dieses Standorts; nach Gerhard´s Worten hatte Mehrnbach heuer das Glück gleichmäßig verteilter Niederschläge. Wir meinen: Das tolle Ergebnis zeugt vor allem von seinem Pflanzenbau-Know; Pflanzenbau-Inform sei Dank!
Abbildung 5: Ein weiterer Niederösterreicher kann mit sehr hohem Ertrag punkten. Peter Prankl, Landwirt und Lehrer am Francisco Josephinum ist nach 3 Jahren N-Pilot Erfahrung überzeugter Befürworter der sensorgestützten N-Dünger-Bemessung. Mit 60/80/47 hat der N-Pilot ebenfalls eine „Schosser-betonte“ Bestandesführung empfohlen und letztlich Recht behalten.
Abbildung 6: Essl Karl – viehlos – haben seine Weizenerträge nicht wirklich zufriedengestellt; vor allem weil sich die Bestände bis zur Ernte optimal präsentiert haben. Eine häufige Erfahrung in den Gunstlagen des OÖ Zentralraums: Offenbar hat zu viel Wasser in mittel- und schweren Böden vorübergehend zu Sauerstoffarmut geführt, wodurch 20 bis 30 kg Bodenstickstoff von fakultativ anaerob lebenden Mikroorganismen zerlegt und verloren gingen. Das würde auch den niedrigen Rohproteingehalt von 10,6 % bei 180 kg N/ha erklären…
Abbildung 7: Der Weizenbestand von Gerhard Sacherer hat einen 30%igen Hagelschaden erlitten. Offenbar hatte er einen sehr ertragreichen Bestand auf einem Standort mit mäßiger Bodengüte. Dies deckt sich mit einer allgemeinen Erfahrung: Seichtgründige Standorte haben heuer ob der hohen Niederschläge, oftmals bessere Erträge erzielt, weil sie nicht in Sauerstoff-Armut gefallen sind. Wie üblich ist der Mehrertrag durch die Düngung auf solchen besonders ausgeprägt.
Abbildung 8: Der aufwändigste Feldversuch in vierfacher Wiederholung wurde von Franz und Matthias Kastenhuber durchgeführt: In 11 Versuchsvarianten mit fixen N-Gaben (Andüngung/Schossen/Ähre) zeigt sich ein klarer Zusammenhang zwischen der Höhe der N-Gaben, dem Ertrag und dem Rohproteingehalt. Die Ergebnisse dienen der Feinjustierung des N-Pilot, der im konkreten Fall – bei 70N Andüngung – 65 N zum Schossen empfohlen hätte (in der Grafik nicht eingetragen). In V2 bis 4 fiel keine Schossergabe: Das hat der N-Pilot erkannt und empfahl die maximalen 60 N zum Ährenschieben. Bei 40 kg Schossergabe empfahl er 52 N, und bei 80 kg Schossergabe nur noch 30 N. Betrachtet man den Verlauf der Rohproteinwerte, so ist erkennbar, dass der N-Pilot die N-Düngung wirklich sehr akkurat an Optimalertrag und Mahlweizenqualität ausgerichtet hat.
Abbildung 9: Im Trockengebiet lief am Betrieb von Palkowitsch Hans ein zweiter N-Pilot Kalibrierungsversuch, durchgeführt von AGES Wien, Dr. Georg Dersch. Auch hier zeigen sich sehr ähnliche Erkenntnisse. Variante 12 wurde nach N-Pilot Empfehlung abgedüngt; mit 50/60/50 konnte das 14 % RP-Nivau von Qualitätsweizen leider nicht ganz erreicht werden.

Fazit

  • Hohe Niederschläge ermöglichten in unseren Feldversuchen das höchste jemals gemessene Ertragsniveau. Das Trockengebiet bzw. die Übergangslagen zum Feuchtgebiet waren heuer klar im Vorteil.
  • Im Feuchtgebiet wiederum waren heuer die leichten Standorte den schweren Böden überlegen. Sauerstoffarmut – wenn auch nur zeitlich begrenzt - hat so manchen Bestand in Mitleidenschaft gezogen.
  • Generelle Beobachtung in der breiten Praxis: Gute Bodenstruktur auf Basis von sachgerechter Kalkung und trockener Bearbeitung aber auch ambitionierter Pflanzenschutz haben heuer „die Spreu vom Weizen getrennt“.
  • Die Rentabilität der Düngung war auch 2016 in hohem Maße gegeben, wobei auf seichtgründigen Standorten die Mehrerträge durch die Düngung besonders stark ausgeprägt waren.
  • Der N-Pilot hat sich in 6 von 7 Schlägen wirklich gut bewährt. Über 8,5 Tonnen Mahlweizen bzw. 7 Tonnen Qualitätsweizen scheint jedoch eine geringfügige Erhöhung der Maximalempfehlung von 60 auf 70 kg N angebracht.

Wir danken unseren engagierten Feldversuchsanstellern an dieser Stelle sehr herzlich und freuen uns auf eine weitere Zusammenarbeit 2017!