Wer weniger düngt riskiert niedriegere Rohproteingehalte

Im Qualitätsweizenanbau fällt der Spätdüngung eine wichtige Rolle zu.


Die Stickstoffnachlieferung der Böden variiert von Jahr zu Jahr. Die Vorfrucht und etwaige Wirtschaftsdüngergaben spielen dabei eine große Rolle. Messmethoden wie Nmin-Untersuchungen im Frühjahr bieten einen Anhaltspunkt für die Bemessung der ersten Düngergabe.

Steigende N-Kosten reduzieren die optimale N-Menge geringfügig (Quelle: Incona, 150 Versuche, 1996-2007).

Zur Bemessung der Schosserdüngung und zum Ährenschieben leistet der N-Tester Hilfestellung. Eine zielgerichtete N-Düngung ist mit dieser Methode möglich, da die Messung die unmittelbare Stickstoffversorgung der Pflanze widerspiegelt. Düngungsversuche zeigen, dass der N-Tester zwar eine knappe Stickstoffempfehlung gibt, mit richtiger Verteilung jedoch zufrieden stellende Erträge und Qualitäten liefert. 

Für den Landwirt ist das N-Optimum eine Orientierung. Zur Bestimmung des N-Optimums werden Stickstoffsteigerungsversuche herangezogen, um eine Nettoerlöskurve zu ermitteln. Der Nettoerlös erhöht sich mit steigenden N-Mengen, bis er ein Maximum erreicht. Diejenige Stickstoffmenge, bei welcher die Kurve diesen höchsten Punkt erreicht, stellt das N-Optimum dar. Steigende Stickstoffpreise und sinkende Getreidepreise verschieben das Düngungsoptimum hin zu niedrigeren Aufwandmengen. 

Aus mehr als 150 N-Steigerungsversuchen in Deutschland von 1996 bis 2007 wurde eine Nettoerlöskurve berechnet, aus der sich das Düngungsoptimum ableitet. Steigt der Preis für Kalkammonsalpeter (KAS) von 270 auf 475 €/t reduziert sich das Düngungsoptimum um 26 kg N/ha. Dabei wird ein Weizenpreis von 150 €/t angenommen. Die Erlösminderung auf Grund der gestiegenen N-Kosten beträgt in diesem Fall 110 €/ha.

Der Weizenpreis beeinflusst den Erlös maßgeblich – die Auswirkungen auf die optimale N-Menge sind vergleichsweise gering (Quelle: Incona, 150 Versuche, 1996-2007).

 

Ändert sich der Weizenpreis, so sind die Auswirkungen auf den Nettoerlös pro Hektar deutlicher als bei steigenden N-Kosten. 

Bei einem KAS-Preis von 405 €/t beträgt der maximale Nettoerlös 980 €/ha, wenn ein Weizenpreis von 150 €/t unterstellt wird. Liegt der Weizenpreis bei 250 €/t, steigt der Nettoerlös bei demselben KAS-Preis auf 1780 €/ha.
Grafik 2 zeigt, dass sich das Düngungsoptimum dabei um 20 kg N/ha erhöht.

Aus den beiden Grafiken geht hervor, dass der Weizenpreis den Erlös bestimmt. Das Düngungsoptimum schwankt in den abgebildeten Situationen nur im Bereich von 20 bis 30 kg N/ha. Deutliche Einsparungen an Stickstoff sind daher auch unter den verschiedensten Gegebenheiten nicht sinnvoll. 

Wird der Stickstoffeinsatz pro Hektar auf Grund gestiegener Düngerkosten reduziert, ist im Qualitätsgetreidebau erfahrungsgemäß mit geringeren Rohproteingehalten zu rechnen. Unzureichende Qualitäten senken den Weizenpreis zusätzlich. Der dabei entgangene Erlös pro Hektar ist meist größer als die eingesparten Düngerkosten.