Macht eine Stickstoffdüngung unter trockenen Bedingungen Sinn?

In einigen Regionen Westösterreichs und Bayerns sind seit sechs Wochen keine Niederschläge mehr gefallen. Düngerkörner bleiben über lange Zeit am Boden sichtbar, was bei vielen Landwirten Zweifel über die Wirksamkeit des Düngers unter diesen Bedingungen aufkommen lässt.

Tatsache ist: ganz ohne Feuchtigkeit – in welcher Form auch immer – können Bodendünger nicht zur Wirkung kommen. Es reichen jedoch sehr geringe Niederschlagsmengen (nicht nur in Form von Regen, sondern auch als Morgentau) aus, um die Nährstoffe aus dem Düngerkorn herauszulösen und in den Boden einzutragen.
Über den Tau werden Wassermengen von bis zu 1 mm pro Tag freigesetzt. Über mehrere Tage kommt ausreichend Feuchtigkeit zusammen, die den Nährstoff aus dem Düngerkorn herauszulöst. Durch diesen Lösungsvorgang entsteht ein Konzentrationsgefälle vom Düngerkorn zum Boden hin, was zu einer Diffusion der Nährsalze aus dem Dünger in den Boden führt. Die bis an die Bodenoberfläche reichenden Wurzeln des Getreides können den freigesetzten Stickstoff nutzen.

N-Form beachten!

Der Nitratanteil aus NAC 27 N ist für die Pflanze sofort verfügbar, womit das Produkt auch unter trockenen Bedingungen zur Wirkung kommt. Wird Harnstoff eingesetzt, muss dieser zuerst über Ammonium zu Nitrat umgewandelt werden; die trockenen Bedingungen erschweren die Umwandlung. Bei diesem Umwandlungsprozess entsteht Ammoniak, der in die Luft entweichen kann.

Wie soll man in der Praxis reagieren?

  • Aufgrund der etwas längeren Wirkungsdauer des Stickstoffs unter trockenen Bedingungen sollen Düngungstermine leicht vorgezogen werden.
  • Sind keine erheblichen Ertragseinbußen zu erwarten, soll die geplante N-Menge auch verabreicht werden: eine N-Düngung verbessert das bei Trockenheit eingeschränkte Mobilisierungspotential des Bodens.
  • Keine Flüssigdünger wie AHL (UAN 30 N) auf den Pflanzenbestand sprühen! Die Pflanze schützt sich vor Trockenheit indem sie die Spaltöffnungen schließt – somit kann auch kein Stickstoff über das Blatt aufgenommen werden. Blattverbrennungen sind die Folge.
  • Wichtig: leicht lösliche N-Formen (NAC 27 N) bevorzugen! Sind nach mehreren Tagen oder Wochen noch Düngerkörner am Boden sichtbar, handelt es sich nur mehr um das Kalkgerüst des Düngerkorns – der Stickstoff ist trotzdem in den Boden und damit zur Pflanzenwurzel gelangt.
N-Dünger Düngekorn unter trockenen Bedingungen - Borealis L.A.T
Auch unter trockenen Bedingungen bildet sich genug Feuchtigkeit um das Düngerkorn, die die Nährstoffe herauslöst